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18.08.2017
Das Messie-Syndrom: Nur Aufräumen ist keine Lösung
Im Juli organisierte die Brücke Schleswig-Holstein in Schwarzenbek eine Veranstaltung zum Thema Menschen mit Messie-Syndrom. Referiert wurde von Janice Pinnow, Gründerin und Vorsitzende des Landesverbandes der Messies im norddeutschen Raum (Melano). Sie ist als Betroffene erfahrene Expertin und seit über 18 Jahren in beratender Tätigkeit zu diesem Thema aktiv. Auf der Fortbildung beleuchtete sie die Ursachen und erklärte Hintergründe dieser Erkrankung.
Menschen mit Messie-Syndrom findet man in allen sozialen Schichten und Altersstufen. Die meisten sind äußerlich unauffällig, man sieht es ihnen nicht an. Oft stehen sie im beruflichen Leben, auch in verantwortlicher Position, und müssen strukturiert und organisiert arbeiten. Im privaten Umfeld können sie nichts wegwerfen, horten Zeitungen oder andere Gegenstände. Unzählige Dinge werden aufbewahrt und liegen herum, oft auch der Müll. Es gibt häufig fast keinen Platz mehr, sich von einem Raum in den anderen zu bewegen oder die Möglichkeit sich irgendwo hinzusetzen. Andere Betroffene haben sehr wenig Chaos und horten gar keinen Müll. Diese Krankheit hat viele Gesichter.
Das Messie-Syndrom wird häufig in den Medien falsch dargestellt und ist keinesfalls eine Aufräumstörung. Meist steht die spektakuläre Darstellung von Wohnungen im Vordergrund, die bis an die Decke vollgestopft sind. Die Erfahrung mit Menschen mit Messie-Syndrom zeigt jedoch, dass das ein äußerliches Symptom einer tiefer liegenden Störung ist. Hinter zwanghaftem Sammeln, Vermüllen der Wohnung, Nicht-Aufräumen-Können oder sich Nicht-Trennen-Können verbirgt sich eine ernsthafte seelische Störung. Die Ursachen liegen in frühkindlichen Entwicklungstraumata, in Bindungs- und Beziehungsstörungen. Daraus resultieren z.B. Depressionen, Ängste, Zwänge, Suchterkrankungen. Hinzu kommen auch Schamgefühle. Das völlig unbewusste Zuwiderhandeln auf Forderungen und Druck von außen stellt ein großes Problem im Alltag der Betroffenen dar. Dieses kann sich beispielsweise darin äußern, häufig zu spät zu kommen.
Das Problem ist nicht, dass die Betroffenen nicht aufräumen können. Das Problem ist, sie können nicht für sich selbst aufräumen. Das Chaos zu beseitigen, ist zwar meist der große Wunsch eines Betroffenen. Es ist jedoch nicht ungefährlich, den Fokus alleine darauf zu richten. Für die Betroffenen macht das Chaos einen Sinn, einen Nutzen und bietet ihnen Schutz. Darüber hinaus entsteht durch die Beseitigung des Chaos eine enorme Leere. Nach Räumungen kann es im schlimmsten Fall zu Suiziden kommen, da die Betroffenen es nicht aushalten können, dass ihr ganzes Leben weggeworfen wird.
Bei der sehr gut besuchten Veranstaltung schaffte es Janice Pinnow, einen Einblick in die Gefühlswelt eines Menschen mit Messie-Syndrom zu geben und zeigte Möglichkeiten und Strategien auf, einen Betroffenen zu unterstützen.
Weitere Informationen sind auf der Seite des Landesverbandes der Messies im norddeutschen Raum (Melano) zu finden http://www.messie-syndrom.de/

Buchempfehlungen:
- „Selbsthilfe für Messies“ von Dr. Rainer Rehberger
- „Messies – Sucht und Zwang“ von Dr. Rainer Rehberger
- „Das Messie-Handbuch“ von Eva S. Roth
- „Einmal Messie, immer Messie?“ von Eva S. Roth
- „Entwicklungstrauma heilen“ von Dr. Laurence Heller und Aline Lapierre

Weitere Informationen
Brücke Schleswig-Holstein gGmbH
Andreas Lorenzen
Lauenburger Straße 39
21493 Schwarzenbek
a.lorenzen@bruecke-sh.de
Ruf (0 41 51) 89 98 95-15
Fax (0 41 51) 89 98 95-20

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